Geschichte der Verhütung

Geschichte der Verhütung

Zum 50. Geburtstag der Pille: ein Rückblick auf die Geschichte der Verhütung

Auto, Flugzeug oder auch das Telefon waren Errungenschaften von offensichtlicher Tragweite. Sie haben die Welt geöffnet, Kontinente, Länder und Menschen verbunden. Ein Meilenstein von ebenso großer Bedeutung wurde vor ziemlich genau 50 Jahren mit der Antibabypille gelegt. Im August 1960 führten die USA sie als erstes Land ein. Deutschland folgte ein Jahr darauf. Damit war eine Möglichkeit eröffnet, die die Gesellschaft gehörig umkrempeln und sich nachhaltig auf soziale Strukturen auswirken sollte.

Dass die Pille den Durchbruch zwar nicht widerstandslos, aber doch relativ schnell schaffte, ist sicherlich dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Die Idee und den Wunsch, sich vor einer Schwangerschaft zu schützen – ohne auf Sex zu verzichten –, hatten Mann und Frau jedoch schon weitaus länger. Und sie wussten sich seit jeher zu helfen.

Vorher Weihrauch oder Tierdung, nachher niesen oder hüpfen

Bereits aus der Antike und dem alten Ägypten gibt es Aufzeichnungen über Methoden der Verhütung. In der Annahme einer spermiziden (Spermien-abtötende) Wirkung setzte Frau auf pflanzliche Zubereitungen, die in die Vagina eingeführt wurden, etwa Akazienblätter mit Honig, Olivenöl oder Weihrauch. Auch Krokodilkot, vermischt mit Pflanzenschleim, wurde in dieser Weise angewendet. Die alten Griechen und Römer behalfen sich, indem sie Schwämmchen in ein Gemisch aus Granatapfelkernen, Harzen, Öl und Wurzeln tunkten, das die Spermien lähmen sollte.

Frauen, die auf Nummer sicher gehen und die unwillkommenen Spermien wieder loswerden wollten, zogen sich direkt nach dem Geschlechtsverkehr zurück, um kräftig zu niesen oder zu hüpfen.

Die Zitrone des Casanova

Aus der Antike datieren auch die Vorläufer des heutigen Bidets. Sie dienten der Vaginalspülung zu Verhütungszwecken. Richtig in Mode kamen sie jedoch erst im frühen 18. Jahrhundert. Es wurden sogar tragbare Bidet-Varianten entwickelt – die sich besser verstecken ließen.

Einer dürfte in dieser Zeit besonderes an Verhütung interessiert gewesen sein: Casanova. Ihm wird denn auch nachgesagt, er habe nicht nur einen Vorrat an Baumwollkondomen gehabt. Er soll zudem eine Art Diaphragma für seine zahlreichen Gespielinnen erfunden haben – in Form einer halben, ausgepressten Zitrone.

Zufällige Entdeckungen und sozialer Sinneswandel

Da sein praktischer Nutzen, auch zum Schutz vor Geschlechtskrankheiten, durchaus einleuchtete, setzte sich das Kondom im 19. Jahrhundert immer mehr durch. Allerdings war Baumwolle alles andere als angenehm, geschweige denn gefühlsecht und schon gar nicht sicher. So suchte man nach Alternativen und fand sie in der Schwimmblase von Fischen und dem Blinddarm von Schafen. Die daraus gefertigten Kondome mussten jedoch von einer Schleife gehalten werden und waren nicht elastisch. Nachdem der Chemiker Charles Goodyear 1839 herausfand, wie sich aus plastischem Kautschuk elastisches Gummi herstellen lässt, taten sich auch im Hinblick auf die Verhütung neue Perspektiven auf. Das Latexkondom wurde zum Standard.

Parallel entdeckten Ärzte um die Jahrhundertwende zufällig, dass Fremdkörper in der Gebärmutter scheinbar eine Schwangerschaft verhindern. Das war ausschlaggebend für die Entwicklung der Spirale. Die erste Variante bestand aus Seidenfaden und Silberdraht. Daneben nahmen Frauen auch weiterhin Scheidenausspülungen vor mit speziell dafür angefertigten Geräten wie der sogenannten Mutterdusche. Durch einen Schlauch spülte sie den Scheidenraum unmittelbar nach dem Orgasmus mit Wasser, dem zum Teil Carbolsäure oder Alaun zugesetzt war.

Zwar spielten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts Zufälle eine Rolle bei der Entdeckung bzw. Verbesserung von Verhütungsmethoden, begünstigt wurden sie jedoch auch durch Einstellungsänderungen in der Gesellschaft. Aus sozialen, wirtschaftlichen und medizinischen Gründen machte man sich offiziell und öffentlich Gedanken zur Beschränkung der Kinderzahl.

Von Kamelen und Fröschen

Auch wenn wir über manches lachen, einige der frühen Einfälle waren gar nicht so abwegig. So weiß man heute, dass Tierdung tatsächlich Stoffe enthält, die das Scheidenmilieu verändern und die Spermienbeweglichkeit mindern.

Und dass Fremdkörper in der Gebärmutter verhütend wirken, ahnten oder hofften schon die alten Ägypter: Sie legten ihren Kamelen auf Reisen Steine in die Gebärmutter, um zu verhindern, dass sie trächtig wurden. Glücklicherweise zogen sie damals noch keine Konsequenzen für den Menschen daraus.

Ein anderes Tier, dessen seherische Gabe wir aus anderem Grund schätzen, hatte sogar noch bis in die 1970er Jahre eine wichtige Funktion – wenn auch nicht bei der Verhütung selbst, so doch bei der Kontrolle im Nachhinein: Der Frosch fand nicht nur zur Wettervorhersage Einsatz, sondern auch als Schwangerschaftstest. Der Froschtest basierte, wie heutige Tests, auf der Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG und war fast ebenso exakt, nur langsamer und weniger praktisch. Denn man musste dem Frosch den Urin der Testperson injizieren. Fing er innerhalb von 12 - 24 Stunden an zu laichen (oder Samenflüssigkeit abzusondern), bestätigte dies eine Schwangerschaft.

Pille mit erwünschter Nebenwirkung

Zu Beginn der 1950er Jahre gelang es in Amerika, das Hormon Gestagen für die orale Anwendung zu synthetisieren. Kurz darauf wurde die erste Pille als Verhütungsmittel zum Patent angemeldet. Die tägliche Einnahme von – den körpereigenen ähnlichen – Hormonen ermöglichte Frauen nun, selbst über eine Schwangerschaft zu bestimmen. Im Sinne einer besseren Akzeptanz sollte eine 7-tägige Einnahmepause die gewohnte Monatsblutung imitieren.

Erwartungsgemäß stieß ein solcher Eingriff in die Natur auf das Entsetzen der Kirche und auf Skepsis in Teilen der Gesellschaft. Eingeführt wurde die Pille daher zunächst als Mittel gegen Menstruationsstörungen – die ausschlaggebende „Nebenwirkung" wurde lediglich auf dem Beipackzettel ausgewiesen. Auch erhielten anfangs nur verheiratete Frauen die Pille. Denn Sex vor der Ehe war ja ohnehin tabu. Doch im Windschatten des subversiven Zeitgeists Ende der 60er fand die Antibabypille recht schnell ihren festen Platz in der Gesellschaft. Dank kontinuierlicher Weiterentwicklung ist sie heute die Verhütungsmethode Nr. 1, noch vor dem Kondom. Welche Bedeutung sie auch aus medizinischer Sicht erlangt hat, zeigt ein Blick in die Entwicklungsländer, wo ohne die Pille jährlich immer noch Hunderttausende Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt sowie aufgrund stümperhaften Abtreibungspraktiken sterben.

Geburtshelfer der Antibabypille

Im Wesentlichen sind es sechs Personen, die an der marktreifen Entwicklung der Pille, des ersten oralen Kontrazeptivums (Verhütungsmittel), mitgewirkt haben: Als Initiatorin fordert die Krankenschwester und Feministin Margaret Sanger 1951 ein Verhütungsmittel in Tablettenform. Unterstützt wird sie von der gleichgesinnten Millionärin Katherine McCormick. Mit ihrem Geld wird der Physiologe Gregory Pincus, der sich mit dem Hormoneinfluss im weiblichen Zyklus sehr gut auskennt, mit der Umsetzung beauftragt.

Bereits Mitte der 1940er hatte der Chemiker Russell Marker die Massensynthetisierung von Progesteron aus einer mexikanischen Süßkartoffel erfunden. Sein Progesteron wirkte jedoch nicht oral. Die entscheidende Weiterentwicklung leisteten parallel zwei andere Wissenschaftler: Carl Djerassi für das Pharmaunternehmen Syntex und Frank Colton für Searle. Zwar war Djerassi zuerst erfolgreich mit seinem synthetischen Gestagen Norethindron, doch Colton's Version, Norethynodrel, ließ nicht lange auf sich warten und der Hersteller Searle war schneller mit der Vermarktung seines Präparats Enovid.

 

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